Happy Birthday! 60 Jahre Eule-Orgel im Dom St. Marien
Vier Hände, vier Füße und ein Instrument von besonderer Bedeutung für Zwickau
Zwickau, September 2026. Sie ist ein Stück Zwickauer Musikgeschichte und bis heute ein beeindruckendes Klangdenkmal: Die große Eule-Orgel im Dom St. Marien feiert 2026 ihren 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass laden Simon Voigtländer und Domkantor Karl Joseph Eckel am Sonntag, 6. September, um 17 Uhr zu einem besonderen vierhändigen Orgelkonzert ein. Unter dem Titel „Happy Birthday!“ erklingt Musik für zwei Organisten an einem Instrument, das selbst Geschichte geschrieben hat.
Als die Orgel 1966 von der Bautzener Orgelbaufirma Hermann Eule fertiggestellt wurde, war sie der größte Orgelneubau, der während der DDR-Zeit in einer Kirche entstand. Mit zunächst 77 Registern auf vier Manualen und Pedal entstand ein Instrument von außergewöhnlichen Dimensionen. Die Planung des Neubaus war eng mit dem damaligen Zwickauer Domorganisten Günter Metz verbunden. Er hatte bereits seit seinem Amtsantritt 1948 auf einen Neubau hingearbeitet und prägte maßgeblich dessen klangliche Konzeption.
Damit ist die Eule-Orgel weit mehr als ein großes Instrument auf der Empore. Sie gehört zur musikalischen Identität des Domes und prägt seit sechs Jahrzehnten das kirchenmusikalische Leben in Zwickau. Ihre außergewöhnliche Größe und ihre reiche klangliche Farbpalette machen sie bis heute zu einem Instrument, tausende Menschen Jahr für Jahr zu sich zieht.
Von Bach bis zum „Carnaval der Tiere“
Das Geburtstagsprogramm nutzt diese Möglichkeiten bewusst aus. Johann Sebastian Bach steht dabei für die große Tradition der Orgelmusik. Ganz anders klingt Naji Hakims „The Apostles“: Der libanesisch-französische Komponist hat seinen Zyklus als Folge musikalischer Meditationen über Holzschnitte von Lucas Cranach dem Älteren angelegt. Die einzelnen Teile widmen sich Christus und den Aposteln und verbinden Choräle sowie gregorianische Melodien mit einer farbenreichen, modernen Tonsprache. Das Werk ist ausdrücklich für zwei Organisten an einer Orgel komponiert.
Für den Dom ergibt sich dabei eine besondere Verbindung: Die Apostel sind nicht nur musikalisch präsent. Auch an der Südfassade des Domes St. Marien begegnen den Besuchern zahlreiche Darstellungen der Apostel: Eine musikalische Meditation findet am Zwickauer Dom ein unmittelbar sichtbares Gegenüber.
Mit Ralf Böltings „Toccata française sur le nom de Helmut“ wird es ausgesprochen virtuos. Der Titel ist Programm: Der Komponist versteckt den Namen „Helmut“ in den Tonbuchstaben H–E–La–Mi–Ut und entwickelt daraus eine hochvirtuose Toccata im Stil der französischen Orgelromantik. Das Stück ist zugleich eine musikalische Hommage an Böltings Lehrer Helmut Tramnitz und spielt mit den großen Klangmöglichkeiten einer Orgel.
Überraschend tierisch wird es mit Camille Saint-Saëns’ „Le Carnaval des animaux“ in einer Bearbeitung für Orgel zu vier Händen. Was ursprünglich für Kammerensemble und zwei Klaviere gedacht ist, wird auf der Eule-Orgel zum orchestralen Spektakel: Vom majestätischen Löwen, den klappernden Fossilien bis zu den skurrilen Figuren des berühmten „Karnevals“ zeigt sich die Orgel einmal von ihrer humorvollen und ungewöhnlichen Seite.
So wird aus dem Orgelkonzert eine musikalische Geburtstagsfeier, die bewusst verschiedene Facetten des Instruments zusammenbringt.
„Happy Birthday!“ – 60 Jahre Eule-Orgel im Dom St. Marien
Sonntag, 6. September 2026, 17 Uhr
Dom St. Marien Zwickau
Simon Voigtländer und Karl Joseph Eckel – Orgel
Sonntag, 6. September 2026, 17 Uhr
Dom St. Marien Zwickau
Simon Voigtländer und Karl Joseph Eckel – Orgel
Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten.