Reformation, Musik und verborgene Schätze: Das Reformations-Wochenende im Dom St. Marien Zwickau
Vom höchsten Gebäude der Stadt bis zu den unbeugsamen Märtyrern des Glaubens: Der Reformationstag und Allerheiligen laden dazu ein, Zwickaus bedeutendste Kirche neu zu entdecken. Festgottesdienst, Turmbesteigung, ein außergewöhnliches Konzert mit Akkordeon und Orgel sowie die letzte Ausgabe von „Dom & Klang“ in diesem Jahr machen den Dom St. Marien am 31. Oktober und 1. November zum Ziel für Kulturinteressierte, Musikliebhaber und Neugierige.
Zwickau. Wer Zwickau verstehen will, sollte den Dom St. Marien nicht nur von außen betrachten. Seine Geschichte erzählt von einer Stadt, die zu den frühen Zentren der Reformation gehörte, von mutigen Reformatoren und religiösen Umbrüchen – und von einem Gotteshaus, das bis heute das Stadtbild und das kulturelle Leben prägt. Am Reformationstag und an Allerheiligen bietet sich die Gelegenheit, diesen besonderen Ort in seiner ganzen Vielfalt zu erleben: im Gottesdienst, beim Blick über die Dächer der Stadt, in ungewöhnlichen musikalischen Begegnungen und bei einem Rundgang zu verborgenen Details der Kirche.
Samstag, 31. Oktober: Reformation erleben – Zwickau von oben entdecken
Der Reformationstag erinnert an den Aufbruch, der die Kirche und Europa nachhaltig veränderte. Zwickau nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Die Stadt zählt zu den frühen Zentren der Reformation. Martin Luther predigte hier 1522 und würdigte Zwickau als bedeutenden Ort der reformatorischen Bewegung. Bereits zuvor hatten die Predigten und das Wirken Thomas Müntzers sowie anderer Reformatoren die Stadt zu einem Schauplatz heftiger religiöser und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen gemacht. Die Reformation ist damit kein fernes Kapitel der Geschichte, sondern ein Teil der Zwickauer Stadtidentität.
Um 10.30 Uhr beginnt der Festgottesdienst der Stadtkirchgemeinde Zwickau mit Heiligem Abendmahl. Superintendent Harald Pepel, der Posaunenchor und Domkantor Karl Joseph Eckel gestalten den Gottesdienst.
Ab 13 Uhr öffnet der Dom bei freiem Eintritt seine Türen. Wer die Stadt aus einer ungewöhnlichen Perspektive erleben möchte, kann den Turm besteigen: Als höchstes Gebäude Zwickaus bietet er einen beeindruckenden Ausblick über die Stadt und ihre Umgebung. Der Aufstieg verbindet ein besonderes Stadterlebnis mit der Möglichkeit, die Architektur und Geschichte des Domes aus nächster Nähe kennenzulernen. Die Turmbesichtigung kostet 3 Euro pro Person; der letzte Aufstieg ist um 16 Uhr möglich.
„Knopf & Pfeife“: Wenn Akkordeon und Orgel miteinander ins Gespräch kommen
Um 17 Uhr wird es musikalisch ungewöhnlich: Das Duo „Knopf & Pfeife“ bringt Akkordeon und Orgel zusammen. Nepomuk Golding am Akkordeon und Hannes von Bargen an der Orgel gestalten ein Konzert anlässlich des bundesweiten Themenjahres „Akkordeon – Instrument des Jahres 2026“.
Die beiden jungen Musiker kennen sich bereits aus ihrer Schulzeit am Eberhard-Ludwigs-Musikgymnasium Stuttgart und studieren heute an renommierten Musikhochschulen in Deutschland und England. Als Preisträger internationaler Wettbewerbe und Stipendiaten haben sie sich sowohl solistisch als auch gemeinsam profiliert.
Auf dem Programm stehen Bearbeitungen von Werken Johann Sebastian Bachs und Felix Mendelssohn Bartholdys, darunter Musik aus dem „Sommernachtstraum“, sowie weitere Werke. Solistische Beiträge und gemeinsames Musizieren versprechen einen abwechslungsreichen Dialog zwischen barocker Klangkunst, romantischer Ausdruckskraft und überraschenden Klangfarben. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.
Sonntag, 1. November: Allerheiligen
Am Nachmittag kehrt das Programm in den Dom St. Marien zurück. Um 17 Uhr lädt die beliebte Veranstaltungsreihe „Dom & Klang“ ein letztes Mal im Jahr 2026 dazu ein, die Kirche in einem neuen Blickwinkel zu entdecken. Unter dem Titel „Unbeugsam! Märtyrer – Vorbilder des Glaubens in dunklen Zeiten“ verbindet die Veranstaltung eine thematische Führung mit Orgelmusik.
Elke Windisch lenkt den Blick auf Menschen, die ihrem Glauben selbst unter schwierigsten Bedingungen treu blieben. Was bedeutet es, Haltung zu bewahren, wenn Überzeugungen bedroht werden? Und warum erinnern wir uns bis heute an Menschen, die für ihre Überzeugungen große Opfer brachten? Das Thema Allerheiligen bietet den Anlass, diesen Fragen nachzugehen und den Spuren mutiger Glaubenszeugen zu folgen.
Dabei geht es nicht allein um große historische Erzählungen. „Dom & Klang“ lebt gerade davon, dass die Besucherinnen und Besucher Winkel, Details und Kunstschätze des Domes kennenlernen, die im Alltag leicht übersehen werden. Die Führung eröffnet neue Perspektiven auf einen vertrauten Kirchenraum und macht sichtbar, wie viel Geschichte, Symbolik und künstlerische Gestaltung sich in ihm verbergen.
Domkantor Karl Joseph Eckel ergänzt den Rundgang an der Orgel mit Werken unter anderem von Johannes Brahms und Jean Langlais. Musik und Architektur treten miteinander in einen Dialog und verleihen dem Thema eine eigene emotionale Tiefe.
Die Reihe „Dom & Klang“ hat sich mit ihren thematischen Führungen und musikalischen Entdeckungen zu einem besonderen Angebot für alle entwickelt, die den Dom jenseits klassischer Kirchenführungen erleben möchten. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.
Veranstaltungsübersicht
Samstag, 31. Oktober 2026
-
10.30 Uhr: Festgottesdienst der Stadtkirchgemeinde Zwickau mit Heiligem Abendmahl
-
Ab 13 Uhr: Offene Kirche (freier Eintritt) und
-
Turmbesichtigung: 3 Euro pro Person, letzter Aufstieg 16 Uhr
-
17 Uhr: „Knopf & Pfeife“ – Nepomuk Golding (Akkordeon) und Hannes von Bargen (Orgel); Eintritt frei, Spende erbeten.
Sonntag, 1. November 2026
-
10 Uhr: Festgottesdienst zum 170-jährigen Kirchweih-Jubiläum der Matthäuskirche Bockwa; anschließend Kirchenkaffee, Buffet und Beisammensein
-
17 Uhr: Dom & Klang – „Unbeugsam! Märtyrer – Vorbilder des Glaubens in dunklen Zeiten“; Führung: Elke Windisch, Orgel: Domkantor Karl Joseph Eckel. Eintritt frei, Spende erbeten.